Zum Geleit

Sind Menschen nicht behaarte Wesen in Bewegung? Schon Meret Oppenheim sorgte 1913 mit ihrer pelzüberzogenen Tasse für Diskussionsstoff. Ähnlich lohnende, sinnliche Irritation plant PELZVERKEHR, das neue Festival für Tanz und Performance.

PELZVERKEHR wird vom Tanzamt Klagenfurt_Celovec in Kooperation mit dem klagenfurter ensemble ausgerichtet und präsentiert heuer erstmals sechs Produktionen von 20. September bis 1. Oktober in der theaterHALLE11. Die unterschiedlichen choreografischen Handschriften der sechs Stücke verbinden zwei rote Fäden: Zum einen werden traditionelle Tanzformen auf ihr zeitgenössisches Potential abgeklopft, zum anderen stehen Geschlechter- und Generationenrollen zur Disposition.

Das kollektiv kunststoff verhandelt in „Messer Gabel Schere Licht“, übrigens dem einzigen Stück für Kinder im Rahmen des Festivals, sowohl notwendige als auch absurde Vorschriften der Großen für die Kleinen. Das Solo „Paula“ der Editta Braun Company beschäftigt sich mit weiblicher Einsamkeit. „Sons of Sissy“ von Simon Mayer nimmt männliche Rollenzuschreibungen humorvoll aufs Korn. Mayer ist seit seinem erfolgreichen Gastspiel „SunBengSitting“ im letzten Jahr in Klagenfurt kein Unbekannter. In „Sons of Sissy“ konfrontiert er heuer den Volkstanz mit zeitgenössischen Tanzformen. Die Kompanie tanz.coop sucht in „Smokey Hugs and Cappuccino“ nach der Tradition der Umarmung im argentinischen Tango. Dagmar Dachauer befreit in „Wunderbare Jahre“ den Wiener Walzer von seiner Seligkeit. Dachauer präsentiert bei PELZVERKEHR jenes Stück, an dem sie 2015 als 1. Klagenfurter Stadttänzerin arbeitete. Subversive Frische bringt zum Abschluss der Tanzwochen cie.Laroque mit „Democrazy“.

"Aktivität des Denkens und sinnliche Empfänglichkeit" (Jacques Rancière), das will PELZVERKEHR 2016 anregen.

Ingrid Türk-Chlapek
Intendanz